Interview mit Herrn Fuss

 

Innovation im Zeichen der Wirtschafts- und Finanzkrise

Interview mit Albert Fuss, Geschäftsführer der ICS GmbH



In der aktuellen Krise haben viele Unternehmen Investitionen gekürzt oder ganz auf Eis gelegt. Sind das nicht denkbar schlechte Voraussetzungen für die Markteinführung eines neuen Produkts?


Albert Fuss: Ganz im Gegenteil. Wir profitieren sogar von der Krise.

Befragungen zeigen, für welche Geschäftsprozesse Unternehmen in den kommenden drei Jahren besonderen Optimierungsbedarf sehen. Wenig überraschend sind es Vertrieb/Marketing, Kundenauftragsabwicklung und Kunden-Service. Bei diesen drängendsten Prozessen handelt es sich um wettbewerbsdifferenzierende und änderungsintensive Prozesse. Das Problem ist aber die Umsetzung. Hier haben sich problematische Engpasssituationen ergeben.

Mit unserer innovativen Business-Software CONTINUITY treffen wir punktgenau den Bedarf. Unsere Lösung versetzt Fachbereiche in Wirtschaft und Verwaltung in die Lage, Engpässe in kürzester Zeit zu beseitigen.

Was ist das Innovative an dieser Software?


Albert Fuss: Mit CONTINUITY verändert sich die Arbeitsteilung zwischen IT und Fachbereich. Fachbereiche können ihre Geschäftsprozesse selbst modellieren und implementieren, und dies in kürzester Zeit mit geringem Personaleinsatz, also hochgradig produktiv. Programmierung mit einer Programmiersprache, wie beispielsweise Java, ist nicht mehr notwendig. Es wird auch kein Programm-Code erzeugt.

Diese Innovation ist Ergebnis der ausgeklügelten Verbindung zweier Integrationsebenen: der Business- und der Software-Ebene. Auf beiden Ebenen haben wir hochgradig innovative Konzepte umgesetzt, sind neue Wege gegangen, die vor uns noch niemand beschritten hat.

Auf der Business-Ebene haben wir ein zukunftssicheres, flexibles Komponentenkonzept realisiert. Organisationsstrukturen, Geschäftsprozesse, Geschäftsregeln, Geschäftsobjekte usw. sind Business-Komponenten, einfach anpassbar, erweiterbar und kombinierbar. Jedes Unternehmens-Asset entspricht einer Business-Komponente, und jede Komponente ist in die integrierte Unternehmensarchitektur, die Enterprise Architecture, eingebettet.

Dank der Technologienintegration auf der Software-Ebene werden keine separaten Software-Produkte für Business Process Management, Master Data Management, Business Intelligence usw. mehr benötigt. Deshalb ist eine Systemintegration auf dieser Ebene nicht mehr erforderlich.

Die Innovationenfülle auf technischer Ebene weist wieder zurück auf die betriebswirtschaftliche Ebene. Die Fachbereiche können jetzt ihre Wertschöpfung deutlich steigern.

Wie erklärt sich der von Ihnen behauptete Produktivitätsschub?

Albert Fuss: Hier habe ich viele schwergewichtige Argumente, aber ich möchte hier nur eines davon in den Vordergrund stellen: drastische Reduzierung der Komplexität.

Dies wird im Vergleich zur konventionellen Software-Entwicklung besonders deutlich. Mit CONTINUITY kann eine einzige Rolle, der Business Analyst, den gesamten Lebenszyklus von dynamischen Anwendungen betreuen. Eine dynamische Anwendung, bei uns als Dynamic Business Application bezeichnet, verkapselt einen Geschäftsprozess.

Der Business Analyst benötigt für seinen Aufgabenbereich lediglich Kenntnisse der Enterprise Engineering-Methodik, der Datenmodellierung, der Geschäftsprozessmodellierung und ein Grundverständnis für Programmierung, so wie es etwa für die Entwicklung von Datenbankanwendungen mit Microsoft Access oder für die Entwicklung von Tabellenkalkulationsanwendungen mit Microsoft Excel erforderlich ist.

Dynamic Business Applications werden am Bildschirm interaktiv aus Komponenten zusammengesetzt. Programmierung ist, wie bereits erwähnt, nicht erforderlich, und es wird auch kein Programm-Code generiert, der in irgendeiner Form weiterverarbeitet werden müsste. Dynamic Business Applications werden durch einen Interpreter, die Execution Engine, ausgeführt.

Wenn im Unterschied dazu heute eine etwas umfangreichere Anwendung IT-gestützt zu implementieren ist, beispielsweise auf Basis einer an sich schon komplexen Plattform wie etwa IBM Websphere, Oracle Fusion oder irgend einer anderen Plattform, dann muss dafür ein IT-Projekt aufgesetzt werden. Die sogenannte modellgetriebene Software-Entwicklung führt zu einer oft nur schwer beherrschbaren Modellvielfalt, erfordert das Zusammenwirken hochqualifizierter Spezialisten mit unterschiedlichen Know-how-Schwerpunkten und leidet an hoher Komplexität.
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Die Gegenüberstellung der beiden grundverschiedenen Vorgehensweisen macht schnell nachvollziehbar, warum mit CONTINUITY die Lebenszykluskosten von Anwendungen nachweisbar um über 90% gesenkt werden können. Die Time-to-Market wird natürlich ebenso drastisch verkürzt.

Wenn ich mit IT-Fachleuten ins Gespräch komme, werden unsere Zahlen spontan meist als nicht glaubhaft gewertet. Die Reaktionen in den Fachbereichen fallen dagegen völlig anders aus. Zugegeben, diese Zahlen fallen deutlich aus dem Rahmen, aber sie werden für IT-Fachleute sehr schnell nachvollziehbar, wenn sie sich mit den innovativen Konzepten beschäftigen.

Welche Software wollen Sie in den Unternehmen ablösen?


Albert Fuss: Wir haben keineswegs die primäre Absicht, vorhandene Standard-Software abzulösen. Es gibt aber immer wieder neue Aufgaben zu realisieren, und da stehen im Prinzip zwei Wege offen.

Eine Option besteht darin, die neue Aufgabe mit vorhandener Standard-Software zu realisieren, verbunden mit Customizing und oft auch mit Individualentwicklung zusätzlich benötigter Funktionalität. Dann ist noch die Integrationsproblematik mit anderen Software-Systemen und Datenbeständen zu lösen, und das ist oft nicht einfach.

Der andere Weg lautet: neue Aufgabe, neue Software, wobei ich hier natürlich über CONTINUITY spreche. Und da haben wir sehr überzeugende Argumente, von denen ich einige wenige skizziert habe. Das Argument der flexiblen Integrationsfähigkeit auf Prozess- und Datenebene muss ich an dieser Stelle noch nachschieben, denn es ist für das Gesamtbild wichtig.

Dann ist auch die Gegenfrage berechtigt: Wäre es überhaupt zu rechtfertigen, eine neue Aufgabe mit vorhandener Standard-Software anzugehen, wenn der Produktivitätsabstand derartig drastisch ausfällt?

Welche fachlichen Lösungen gibt es schon?


Albert Fuss: Über Jahre hinweg lag unser Schwerpunkt im Bereich IT Service Management. Wir haben Einblick in viele Unternehmen erhalten und dabei gesehen, dass die Prozessunterstützung der IT-Organisation meist sehr unzulänglich war. ITIL-Initiativen haben zwischenzeitlich zwar einiges zum Besseren bewirkt, aber auch heute gibt es immer noch viel "Luft nach oben".

Wir haben Standardlösungen in Bereichen wie Service Management, CMDB & Configuration Management, Service Desk und Enterprise Architecture Management erarbeitet, um nur einige unserer Lösungen zu benennen. In letzter Zeit haben wir den Bogen weiter gespannt und das Lösungsportfolio konsequent ausgebaut, so dass wir alle Aufgabenstellungen des Unternehmens abdecken können. Jetzt haben wir Lösungen etwa für Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM) und Product Management.

Es war uns aber wichtig, keine Insellösungen zu entwickeln. Deshalb haben wir viel Zeit und Energie in die Enterprise Architecture investiert, den Integrationsrahmen für sämtliche Lösungen. Deshalb sind alle Lösungen von Beginn an vollständig integriert. Im übrigen lassen sich auch andere Software-Systeme dank unserer Service-orientierten Architektur (SOA) über Web Services leicht integrieren.

Wenn ein Fachbereich heute CONTINUITY einsetzt, kann er mit einer bestimmten, drängenden Aufgabenstellung beginnen. Wenn dann weitere Anwendungsbereiche angegangen werden, wird Bestehendes einfach erweitert. Dazu ein Beispiel: zum bestehenden Service Portfolio Management käme das Product Portfolio Management hinzu. Die  Enterprise Architecture wird dann einfach um zusätzlich benötigte Dynamic Business Components erweitert. Bereits vorhandene Komponenten werden, soweit erforderlich, angepasst.

Gehen Kunden nicht ein besonderes Risiko ein, wenn sie ein neues Produkt wie CONTINUITY einsetzen?


Albert Fuss:
Nein, keineswegs. CONTINUITY wird bei einigen namhaften Kunden schon seit 2007 in bestimmten unternehmenskritischen Bereichen eingesetzt, hat sich bewährt und läuft stabil.
Davon abgesehen arbeiten wir seit 2000 an unserem Produkt. Während dieser Zeit ist das Produkt gereift und hat seine Robustheit bewiesen.

Warum gehen Sie mit CONTINUITY erst jetzt an den Markt?

 

Albert Fuss: Technisch gesehen hätten wir CONTINUITY schon längst in den Markt einführen können. Wir wollten aber das generische Geschäftsmodell, das in Form vorgefertigter Lösungen (Adaptive Enterprise Solutions) und Komponenten mitgeliefert wird, erst noch weiter anreichern. Mit anderen Worten: CONTINUITY enthält jetzt einen reichhaltigen Lösungsbaukasten. Einige hundert Komponenten wie beispielsweise "Angebot" und "Rechnung" sind schon vorhanden und können sofort genutzt werden.Darüber hinaus war es unser Ziel, unseren Kunden und Lösungspartnern eine von Beginn an mächtige Plattform zur Verfügung zu stellen, die sie in die Lage versetzt, hochgradig produktiv generische wie kundenspezifische Lösungen zu erarbeiten.Als finanziell grundsolides Unternehmen müssen wir ein Produkt nicht unter Zeitdruck auf den Markt werfen. Wir wollten von vornherein CONTINUITY nicht als reine Software verstehen und anbieten, sondern als umfassende Lösung im Wortsinn. Deshalb gehen wir erst jetzt an den Markt.


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